Pressemitteilung zum offiziellen Baubeginn der S4 am 10.5.2021

Mit dem Bau der S4 (Ost) versucht die Bahn ein völlig überzogenes Nahverkehrsprojekt zu realisieren und verschwendet dabei Milliarden an Steuergeldern. Von ursprünglich 345 Mio. € sind die Kosten mittlerweile auf über 1,8 Mrd. € gestiegen und dabei wird es wegen fehlerhafter Planung nicht bleiben.

Mit dem Vorhaben soll der gesamte Güterverkehr von und nach Skandinavien mitten durch Hamburg geführt werden, welches dafür den Bau einer S4 finanziert bekommt. Die gesamte Planung basiert auf falschen Zahlen und Behauptungen. Dies ist der Bahn schon seit 2016 bekannt. Statt 120 Güterzügen täglich, wie 2010 angenommen, ist mit der Erstellung der EBWU (Eisenbahnwissenschaftliche Untersuchung) spätestens seit 2016 bekannt, dass höchstens 56 Güterzüge durch Hamburgs Osten rollen werden. In dem Vorhaben Knoten
Hamburg, auf dessen Grundlage die Genehmigung durch das EBA (Eisenbahnbundesamt) erfolgte, ist die Anzahl der Güterzüge sogar auf 52 täglich gesunken. Weiterhin behauptet die Bahn wider besseres Wissen, dass der Güterzugverkehr gleichmäßig über den Tag erfolgen wird. Schon heutzutage, bei 35 – 40 Güterzügen täglich, erfolgt aber 68% des Güterverkehrs auf dieser Strecke in der Nacht.

Die aktuell genehmigte Planung mit einem zweigleisigen Ausbau der Horner Kurve führt zu einer Kapazitätsminderung der Strecke Hamburg-Lübeck um 50%, da es zu Gleiskreuzungen kommt und entsprechende zeitliche Sicherheitsabstände erforderlich werden. Nur deswegen muss der Regional- und Nahverkehr auf eine gesonderte Gleise verlagert werden. Ohne diesen zweigleisigen Ausbau könnte der
gewünschte S-Bahnverkehr mit geringfügigen, kostengünstigen Erweiterungen auf der bestehenden Strecke erfolgen.

Für maximal 1.000 – 2.000 zusätzliche Fahrgäste sollen zwei neue Haltestellen (Claudiusstraße und Bovestraße) mit jeweils zwei Ausgängen errichtet sowie die behindertengerecht ausgebaute Haltestelle Wandsbek abgerissen werden. Demgegenüber ist der Bahn bei der S-Bahnhaltestelle Wandsbeker Chaussee mit 16.000 Fahrgästen täglich ein zweiter, einfach zu errichtender Zugang zur Pappelallee zu teuer!!!

Schon jetzt sind für dieses Vorhaben, dessen Fortsetzung in den Sternen steht – ein Termin für die Erörterung der Einwendungen zum 2. Planfeststellungsabschnitt ist noch nicht einmal abzusehen – mehr als 150 schützenswerte alte Bäume teilweise ohne Genehmigung gefällt worden, obwohl die mündliche Verhandlung der fünf anhängigen Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht im September stattfinden wird und die Urteilsverkündung im Oktober zu erwarten ist. Ziel der Bahn und des Senats der Stadt Hamburg scheint es zu sein, bis zur Gerichtsverhandlung möglichst viele Fakten zu schaffen und das Gericht damit zu nötigen, obwohl ein Fortsetzung bis Rahlstedt noch nicht einmal zu erkennen ist.

Das Vorgehen der Bahn und des Eisenbahnbundesamtes wirft in diesem Zusammenhang eine Vielzahl von Fragen auf.

  • Darf die Bahn, immerhin im vollständigen Besitz des Bundes, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eine Genehmigung beantragen?
  • Darf das Eisenbahnbundesamt eine Genehmigung erteilen, obwohl wesentliche Unterlagen für die Entscheidung nicht vorgelegen haben?
  • Darf das Verkehrsministerium eine offensichtlich fehlerhafte Planung, welche eine Verringerung der Verkehrskapazität der Strecke Hamburg-Lübeck um 50% zur Folge hat, in den vorrangigen Bedarf erheben?
  • Darf der Verkehrsausschuss des Bundestages eine überteuerte und mangelhafte Planung genehmigen und finanzieren?
    Wir hoffen und erwarten, dass das Bundesverwaltungsgericht diese Mängel nicht absegnet sondern ein klares Signal auch für zukünftige Planungen setzt.

Hamburg, 6.5.2021
Lärm- und Umweltschutz Wandsbek-Marienthal